ICH

Wenn das Ich etwas ist
das der Körper schafft
dann muss es doch mehr sein
als der bloße Körper?

Ich kann mich
dabei beobachten
wie ich mich
konstruiere
und kann doch nie
mich ohne Ich
denken
also
MICH
wegdenken
Bin ich also für mich notwendig?
Oder braucht ES
erst Dich
und erst dann werde ich ich
und selbständig?
Kam das Du in der Evolution
wohl vor dem Ich?
Ich muss schließlich alles
um mich herum erkennen
und wenigstens rudimentär benennen
und dass es dabei mich gibt
ist doch selbstverständlich
also nicht notwendig
zu nennen?

Wie kann ich
angesichts dessen
jemals mich in Frage stellen?
Wie kann ich je an mir zweifeln?
Ich bin doch da
Und erst wenn ich nicht mehr bin
werde ich auch nicht mehr sein.

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Killing the dragon

“It was high time that they had killed the dragon.” His voice seemed to sound lower than before. Could that be?
“But have you seen that blood? A black muddy mass, pooled in the streets, forcing itself a way through the smaller arcades, along people’s houses and right in their front yards. And the fires. I didn’t know that dragon blood would burn that easily, that fiercely, that…”
“… solemnly”, he interrupted her, and placed the two fingers of his right hand on the upper side of his left arm. She turned her gaze towards the cobble stones, avoiding the look at his gesture and at the same time having a hard time fighting to not be attracted to the lean fingers that so perfectly matched the veins on his arm. ‘If anybody, then he could’, she thought. ‘He has the right properties and that air around him.’ But that was only that beating thing inside her chest, ever<thing else was appalled, shocked, disgusted. Not for the first time she wondered how one could remain complete with that two forces inside your form, pulling in opposite directions.
“I’ll have to go”, he cut off her thoughts. ‘They’ll be waiting for me.”
When she watched his figure against the ruins of the playground, she had the sudden impression of a song being played, but then he turned left and the illusion was gone.
The silence that was heard was almost too much to bear. Maybe there were people for whom it was too much to bear, Liza thought. Maybe he was right after all. And if he was, she was as well. They would follow him. The realization flowed like a wave through her spine. She had to go.
Stepping forward, the wind indicated a direction to her that she didn’t like. She leaned herself against its breath, and started with her hair blown off from her face. “You’ll get the strands all tangled up, all knots and bedlam”, she heard her mum say, and firmly brushed off a leaf that had landed on her shoulders. The moon would soon rise, she could already hear the water dropping. It was high time someone went after them.
Her next step was more resolute. She didn’t know what she had expected, but she was surprised at how violently she winced when she heard the branch that had been lying on the way crack under her feet. It was strange how loud everything had become, after the white dragon’s lullaby had ceased.

Fragen 

Ich bin ein freier Bürger
in einem freien Land
stolz auf seine Souveränität
und seinen Stand
von Demokratie und Rechtsstaat und Pluralität

Ich habe Rechte
ich habe Schutz
ich darf mich wehren
gegen den
der sie beschmutzt
und darf darauf vertrauen
dass irgendwer mir hilft
und nicht bloß alle schauen

Institutionalisierte Menschlichkeit

Ich kenne diesen Zustand doch auch:
Ungefiltert gehen die Gefühle in den Bauch

Ich darf schauen
wie sie Barrikaden bauen
wie sie Grenzen ziehen
und vor Vermummten fliehen
oder ihnen folgen um sie zu fassen
und nicht erst seit Jerry und Tom
ist das Verhältnis von Katz und Maus
nicht mehr klar zu erfassen

Ach, es tut weh
zu sehen
dass ich niemals alles seh

Sie wollen nur Gewalt
sagen sie
und ich habe längst den Überblick verloren
wer von beiden
die Dinge sagt
die längst wieder herausquellen aus meinen Ohren
weil in meinem Kopf
sich Dinge jagen
Fragen über Fragen über Fragen

Darf ich schweigen
wenn andere schreien
und schlagen
und nicht aufhören
die Lage zu beklagen?

Wo ist meine Freiheit
wenn geschieht
was dort geschieht
wo ist mein Recht
auf Schutz
wenn ein Teil von mir vor der Auseinandersetzung flieht?

Ist es feige
nur zu fragen
und den Aufstand
gerade nicht zu wagen?
Ist es fair
die Situation zu kritisieren
und im Warmen zu sitzen
während andere
in menschlicher Kälte frieren?

Wem gehört die Welt
wenn sie täglich aus dem Rahmen fällt
den wir ihr setzen
mit Recht und Verstand und
Gewalt
Und warum wird es so kalt
dort wo die Sonne aus den Wolken kommt
und blendet?

Ach
lass mich wieder sehen
wer vor mir steht
verlass mich nicht erschlagen
und gib mir ein Gesicht für meine Fragen

Wintergedicht (im Juli)

Zieh den Schal höher
Bedeck dein Gesicht
es wird kalt

Weg sind die Kinder
die im Strahl des Wasser spielten
und die Ersten zünden Feuer an
gegen die dunkle Zeit

Wir sind wieder weit vorm März
Aber wer kennt schon heute die Wahrheit? Land- und Stadtboten gleichermaßen gestraft
Wer jetzt im Krankenhaus liegt
ist in keiner guten Verfassung

Ich weiß vom Kreislauf der Jahre
und dass der Sommer wiederkommt
Aber frierend versteifen mir die Finger der linken Hand (sie ist meine Schreibhand)

Die Sonne ist schon längst aus den Wolken hervorgebrochen
Doch sie sagen
das Gold am Ende des Regenbogens
muss man eh verzollen

Ich aber betrachte den Regenbogen
Jüngst errungenes Gut
Frage mich
nicht
Wo er hingeht
nur
Wo er herkommt
und ob wir nicht alle dorthin gehen könnten
Gemeinsam
-bloß so eine Idee.

Mein Traum, dein Traum 

In Traumwelten gehe ich spazieren
und denke mir
Es seien Ideen

Ich kann sie nicht greifen
mit keinem Wort
Ausgedörrtheit alter Flüsse
und nur Tränen in den Augen vom vielen Blinzeln
Sehen kann ich sie nicht
Verloren die alten Sinne
für älteste Kreationen
Drum selbst wenn ich dir meine Augen liehe
bliebest du blind
Und einander die Hirnfasern zerfasern
wage ich nicht
Weshalb ich stumm bleibe
in der Hoffnung
auch du wärest ein Träumer
und meine Fingerspitzen an deiner Brust
seien Worte genug

So liegen wir beieinander
Schläfrig
schwer
still
in wattewolkenweicher Sicherheit
und der Herzschlag bloß unerhebbar abweichend vom möglichen Gleichklang mit den Strömen
unserer Gedanken so
bleiben die Augen geschlossen
und wir im Traum

Wehe nur
du kämest auf die Idee
meinen Traum zu träumen.
Ab dann müsste ich alleine gehen.

Grenzen

Es ist leichter über mich zu reden
als ich zu sein

Ich mache mir Sorgen, sage ich
und womöglich habe ich sogar Angst
die Logik der Worte geht mir leicht über die Lippen
und auch durch den engen Hals

Wir geben Dinge von uns preis
die uns nicht preisgeben

Es ist so viel leichter darüber zu reden
dass wir die Farben anders wahrnehmen
diese wundersame Subjektivität objektiver Dinge
als dich zu fragen
wie du das rote Blut meiner Adern siehst

Wir reden von gestern
und meinen das heute
damit zu beschreiben
als sei alles bloß eine Folge
vielleicht noch eine Summe
aber sicher kein Produkt
dessen Variablen unsicherer Potenzen
fern jeder Wahrscheinlichkeit liegen

Wie lernt man
zu akzeptieren
dass Grenzen gemeinsame Linien sind?

Rainbow’s end

Rainbow’s end

Rainbow’s end
lies here
sprung from the most colorful grey
to ever cover the rest
The reddest stain
forever burnt in Glencoe’s low
The highest road to bonnie banks
and deepest dark to dive
where golden light can’t touch

Green almost everywhere
just hidden
countless tones of brown
reverberating in the chest
on closing both eyes

and here it is
where all colors merge:
tiny white dots
crossed
against a blueish sky

in this place
this no-mans-land
I’ve never seen a person

be unkind