Rote Sterne

Die Nacht: dunkel
aber keine Wolke am fernen Horizont
nur Abwesenheit von Licht
in der Decke der Welt
und ein paar rote Sterne
in ihrer Bahn

Rote Sterne sind alternde Sterne
Sie brennen nicht mehr
im Innersten
Sie verglühen von außen
Sind sie groß genug
so sind sie mit bloßem Auge zu erkennen
die linke Schulter des Orion etwa
oder das Auge des Stiers

Sobald Sie aber
rot leuchtend zu sehen sind
sind sie schon
im Untergang begriffen

Rote Sterne allerdings fallen nicht
Sie kommen
und wandern
und wandeln
sich

Bei achtfacher Sonnenmasse
setzen am Ende
weitere Fusionsprozesse ein
an deren Ende der Stern
als Supernova
explodiert

Kleinere Sterne aber
schrumpfen
Zunächst:
eine erdgroße kompakte Kugel
aus Sauerstoff und Kohlenstoff
ein wenig Luft zum Atmen
und viel verbrannte Masse
Das ist alles
was am Ende übrig bleibt
Weit reichen
können sie nicht mehr
Wer jedoch meint
genau hinsehen zu müssen
läuft Gefahr
zu erblinden
so hell ist noch ihr Licht

Aber kalt ist es draußen
für einen Stern
der ganz andere Temperaturen gewöhnt ist
Energie
Wärme
Licht
verliert er
zurück bleiben
ausgekühlte weiße Zwerge
deren dunkle Materie
kaum erforscht ist
Schwarzen Löchern gleich
in denen das Licht gefangen
und alle Teilchen und Strahlung
die Ihnen zu nahe kommt
unwiederbringlich verloren ist

Ach-
Rote Sterne erlöschen nicht
Sie gehen einfach
unter die Haut
und lassen
kaltes Morgenlicht
zurück

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Writing: the mouse

If he were bigger, he would go out.
Most oft he time he wanted to be a horse. Tall and majestic, quick to move but also quite a sight to look at. With the wind blowing the tail and mane, and the grass that flow with it settling on the horse’s body, and leaving tiny little dots of white in a coat of black hair, making it speckled as if decorated with diamonds. Even without, the hair was shiny and sparkling in the sunlight. He never saw so much glitter except for the few trips to the lake when the water lay still and only the faintest breeze of air would stir the surface to such an extent that the light wave would send rays of light reflected in all directions, so beautiful that you’d have to close your eyes not to get blinded.
Yes, he would be a horse. With its feet so solid and strong that no storm could move it from its chosen place. Let the wind blow- the horse would not move an inch, all four hooves steadily fastened to the ground. And once the storm had passed, there’d be another one coming, right from inside its chest: the horse would jump and gallop and dance over the meadow, and the hooves, not long ago so heavy as stone, would fly high in the air, only to return to the ground like a blow of thunder, beating like a drum on the reverberating soil, that would swing with the force so much that the small leaves of grass were left shaking their heads like a mouse’s tail in winter.
Oh, in winter! Let winter come and snow, the horse endures it all, and remains strong and unperturbed. How thick a horse’s coat can become. So furry, you just want to snuggle your nose into it, and blow, and have the warm flow streaming out of your mouth heating the fur, the air, and then your face. And then the smell of it: of hay and sand which covers the horses skin to protect it from insects and other small animals, and that you can hear rippling down if you just get close enough. It’s a light sound, only barely perceivable, but it’s even more beautiful than the soft thup thup of the first summer rain.
You just have to be careful not to get too close to a horse. Its tail is strong: in the blink of an eye it can knock you down, with a whoosh and a hiss, and you’re gone. Maybe forever, if you are just a mouse, and your senses are good to spot danger, but your body too weak to really defend yourself against it.
So yes. If he were bigger, he would go out. But he was just a mouse, quick to perceive and then off again.

Die Welle ist gebrochen am Strand
Jemand sagte etwas von Bernstein
während er Drachen steigen ließ
Hier aber nicht einmal Flickenteppiche
aus Algen oder Tau

Du baust in dem Sand bloß Tiefgaragen
und das Wohnzimmer der Muschel zerbricht unter deinem achtlosen Blick
wie Wasser
am Wasserfall
Wir gehen Hand in Hand

Es kommen neue Wellen
spielen um unsere Knöchel
Aber unter deiner Stimme
knirscht der Sand
und zurück bleibt nur Salz auf der Haut

„Auch in Afrika“

„Auch in Afrika“


Die BILD der Frau macht wieder Werbung für ihren Preis "Die goldene Bild der Frau". Mit dabei: Bettina Landgrafe, "die nach Afrika zog, um Kinder aus der Sklaverei zu retten"
-soweit das Thema. Ich möchte an dieser Stelle weder über den Preis noch über Frau Landgrafes Engagement reden. Mich interessiert einzig folgendes:
Geht es nur mir so, oder ist dieses Plakat in seiner Gesamtheit eine Ausgeburt der Ansicht weißer Überlegenheit gegenüber dem "schwarzen Kontinent"?

Das fängt an mit der Bildgestaltung (eine weißere Frau vor einem schwärzeren Hintergrund wäre kaum möglich gewesen). Das allein ist nicht unbedingt ein Grund zur Sorge. Auch die anderen vier Kandidatinnen sind im gleichen Layout abgebildet. Aber im Zusammenspiel mit dem Slogan "Eine glückliche Kindheit muss Menschenrecht sein – auch in Afrika" erinnert mich das fürchterlich an die wirklich schlechte UNICEF Kampagne von vor einigen Jahren, in der weiße Kinder "eingefärbt" wurden (zB hier nachzulesen).
"Auch" in Afrika? Ernsthaft? Mal davon abgesehen, dass "eine glückliche Kindheit" jetzt nun wirklich das absolute Stereotyp ist- diese Formulierung schreit doch geradezu nach "Dritte Welt"-Propaganda. "Selbst in Afrika, diesem rückständigen Kontinent" klingt es da für mich durch, und ich frage mich ernsthaft, ob diese Lesart sich nicht nur mir so erschließt, sondern auch, wenn ja, ob die BILD der Frau sich darüber einen einzigen Gedanken gemacht hat.
Deshalb: Reaktionen erwünscht! Wie geht es euch damit? "White Saviour" Mentalität? Oder alles halb so wild?
Ich hoffe sehr auf einige aufschlussreiche Kommentare!

Liebste Grüße

Phantasielosigkeit

Da sie noch die schöne Welt regierten
freudig ob des Frühlings blauem Band
sanfter Worte Glanz und Lobe zierten
schöne Menschen aus dem Fabelland!
Ach! Da Ihnen unser Gottesdienst noch nützte
wie ganz anders, anders war es da
als man Kreuze voller Dank bekränzte
und Krieg des Kreises Krönung war

Da die Sprechkunst ihre goldne Hülle
sich noch einfach um die Lüge wand
durch die Reden floss da Lebensfülle
und was nie gedacht entstand
Auf seine Art fuhr jeder das Gespanne
und blieb dabei immer in der Spur
Alles wies dem eingeweihten Manne
seinen Platz in der Natur

Doch Feenland ist abgebrannt
und brennt schon längst nicht mehr
die Asche ist in fremder Hand
und nutzt dem Lied nicht mehr

Ach! Wenn ich einen Beutel Feenstaub hätte
was gäbe ich dafür
Doch hab ich nur drei Worte
ich und du und wir

Die menschliche Gesellschaft
hat die Kommunikation entwickelt
damit wir
unsere Gedanken
Gefühle
und Absichten
einander mitteilten

Niemand aber hat dem Menschen gesagt
wozu er Ohren habe

Ach, wenn ich doch nur…
Mit einem kleinem Schnippser
öffnete ich Tür und Tor und Geist
Und schenkte verstaubten Gedanken etwas
das Ihre Fesseln zerreißt

Aber Feenstaub
ist ausverkauft

Wo jetzt nur wie unsere Weisen sagen
Seelenlos ein Feuerband marschiert
lenkt niemand mehr den großen Wagen
der Weg scheint hell
und programmiert
Und dort jongliere ich mit Steinen
die auf dem Wege lagen
die Zeit mir zu vertagen
bis jemand käme
der hörte
meine Fragen
und statt Häme
sich nicht daran störte
und sich erbäte
sie mit mir zu ertragen

doch ohne Feenstaub
ist alles viel zu schwer

und so fallen sie geschlagen
aus dem goldenen Wagen
und vom Himmel herunter
und begraben alle Worte darunter
und so stimmt es wohl
wenn Sie sagen
in dieser Zeit
sei meine Gewalt
nur ein Ausdruck von Fantasielosigkeit

Sowohl Schiller als auch Rio Reiser liegen dem Ganzen zu Grunde, aber bis zum Grund komme ich dennoch nicht, dafür wiegt der Vorwurf zu schwer.

Dichter

Dichter
bin ich
an den Worten
als an der Welt
der Schmerz beginnt
So suche ich Worte

Worte
die schreiten
und gleiten
und sich auf die Wunden legen
-solche
die durch langes Warten
auf Wunder
entstehen

Worte
die verweisen
auf Dinge
nicht nur benennen
sondern auch trennen
von anderen
Worten
die schon immer verwiesen
den einen von hier
den anderen nach dort
und damit Eines vom Anderen
trennten trennen und trennen werden bis sie getrennt worden sein werden

Worte
die sich wundgelegen haben
und noch immer nach Blut lecken

Die einzigen Grenzen, die ich wahren kann
sind jene im Gitter
des Kreuzworträtsels
in dem jedes Wort seinen festen Platz zugewiesen besitzt

Hier aber
Worte
die überschreiten
und mir entgleiten
und streiten
um jeden Zentimeter Raum

Worte
deren Welt
konstant
in Veränderung begriffen ist
sodass ich nur greifen
niemals aber wirklich
begreifen kann
Worte
die sich weigern
sich und mich einzugrenzen
und sich steigern
über alle Grenzen

Worte
die sich verändern
an den Rändern und von den Rändern
die mäandern
und wandern
und immer neue Wege gehen

Bis
Sie,
Dichter,
An den Dingen
Etwas Verändern