Dichter

Dichter
bin ich
an den Worten
als an der Welt
der Schmerz beginnt
So suche ich Worte

Worte
die schreiten
und gleiten
und sich auf die Wunden legen
-solche
die durch langes Warten
auf Wunder
entstehen

Worte
die verweisen
auf Dinge
nicht nur benennen
sondern auch trennen
von anderen
Worten
die schon immer verwiesen
den einen von hier
den anderen nach dort
und damit Eines vom Anderen
trennten trennen und trennen werden bis sie getrennt worden sein werden

Worte
die sich wundgelegen haben
und noch immer nach Blut lecken

Die einzigen Grenzen, die ich wahren kann
sind jene im Gitter
des Kreuzworträtsels
in dem jedes Wort seinen festen Platz zugewiesen besitzt

Hier aber
Worte
die überschreiten
und mir entgleiten
und streiten
um jeden Zentimeter Raum

Worte
deren Welt
konstant
in Veränderung begriffen ist
sodass ich nur greifen
niemals aber wirklich
begreifen kann
Worte
die sich weigern
sich und mich einzugrenzen
und sich steigern
über alle Grenzen

Worte
die sich verändern
an den Rändern und von den Rändern
die mäandern
und wandern
und immer neue Wege gehen

Bis
Sie,
Dichter,
An den Dingen
Etwas Verändern

ICH

Wenn das Ich etwas ist
das der Körper schafft
dann muss es doch mehr sein
als der bloße Körper?

Ich kann mich
dabei beobachten
wie ich mich
konstruiere
und kann doch nie
mich ohne Ich
denken
also
MICH
wegdenken
Bin ich also für mich notwendig?
Oder braucht ES
erst Dich
und erst dann werde ich ich
und selbständig?
Kam das Du in der Evolution
wohl vor dem Ich?
Ich muss schließlich alles
um mich herum erkennen
und wenigstens rudimentär benennen
und dass es dabei mich gibt
ist doch selbstverständlich
also nicht notwendig
zu nennen?

Wie kann ich
angesichts dessen
jemals mich in Frage stellen?
Wie kann ich je an mir zweifeln?
Ich bin doch da
Und erst wenn ich nicht mehr bin
werde ich auch nicht mehr sein.

Killing the dragon

“It was high time that they had killed the dragon.” His voice seemed to sound lower than before. Could that be?
“But have you seen that blood? A black muddy mass, pooled in the streets, forcing itself a way through the smaller arcades, along people’s houses and right in their front yards. And the fires. I didn’t know that dragon blood would burn that easily, that fiercely, that…”
“… solemnly”, he interrupted her, and placed the two fingers of his right hand on the upper side of his left arm. She turned her gaze towards the cobble stones, avoiding the look at his gesture and at the same time having a hard time fighting to not be attracted to the lean fingers that so perfectly matched the veins on his arm. ‘If anybody, then he could’, she thought. ‘He has the right properties and that air around him.’ But that was only that beating thing inside her chest, ever<thing else was appalled, shocked, disgusted. Not for the first time she wondered how one could remain complete with that two forces inside your form, pulling in opposite directions.
“I’ll have to go”, he cut off her thoughts. ‘They’ll be waiting for me.”
When she watched his figure against the ruins of the playground, she had the sudden impression of a song being played, but then he turned left and the illusion was gone.
The silence that was heard was almost too much to bear. Maybe there were people for whom it was too much to bear, Liza thought. Maybe he was right after all. And if he was, she was as well. They would follow him. The realization flowed like a wave through her spine. She had to go.
Stepping forward, the wind indicated a direction to her that she didn’t like. She leaned herself against its breath, and started with her hair blown off from her face. “You’ll get the strands all tangled up, all knots and bedlam”, she heard her mum say, and firmly brushed off a leaf that had landed on her shoulders. The moon would soon rise, she could already hear the water dropping. It was high time someone went after them.
Her next step was more resolute. She didn’t know what she had expected, but she was surprised at how violently she winced when she heard the branch that had been lying on the way crack under her feet. It was strange how loud everything had become, after the white dragon’s lullaby had ceased.

Fragen 

Ich bin ein freier Bürger
in einem freien Land
stolz auf seine Souveränität
und seinen Stand
von Demokratie und Rechtsstaat und Pluralität

Ich habe Rechte
ich habe Schutz
ich darf mich wehren
gegen den
der sie beschmutzt
und darf darauf vertrauen
dass irgendwer mir hilft
und nicht bloß alle schauen

Institutionalisierte Menschlichkeit

Ich kenne diesen Zustand doch auch:
Ungefiltert gehen die Gefühle in den Bauch

Ich darf schauen
wie sie Barrikaden bauen
wie sie Grenzen ziehen
und vor Vermummten fliehen
oder ihnen folgen um sie zu fassen
und nicht erst seit Jerry und Tom
ist das Verhältnis von Katz und Maus
nicht mehr klar zu erfassen

Ach, es tut weh
zu sehen
dass ich niemals alles seh

Sie wollen nur Gewalt
sagen sie
und ich habe längst den Überblick verloren
wer von beiden
die Dinge sagt
die längst wieder herausquellen aus meinen Ohren
weil in meinem Kopf
sich Dinge jagen
Fragen über Fragen über Fragen

Darf ich schweigen
wenn andere schreien
und schlagen
und nicht aufhören
die Lage zu beklagen?

Wo ist meine Freiheit
wenn geschieht
was dort geschieht
wo ist mein Recht
auf Schutz
wenn ein Teil von mir vor der Auseinandersetzung flieht?

Ist es feige
nur zu fragen
und den Aufstand
gerade nicht zu wagen?
Ist es fair
die Situation zu kritisieren
und im Warmen zu sitzen
während andere
in menschlicher Kälte frieren?

Wem gehört die Welt
wenn sie täglich aus dem Rahmen fällt
den wir ihr setzen
mit Recht und Verstand und
Gewalt
Und warum wird es so kalt
dort wo die Sonne aus den Wolken kommt
und blendet?

Ach
lass mich wieder sehen
wer vor mir steht
verlass mich nicht erschlagen
und gib mir ein Gesicht für meine Fragen

Wintergedicht (im Juli)

Zieh den Schal höher
Bedeck dein Gesicht
es wird kalt

Weg sind die Kinder
die im Strahl des Wasser spielten
und die Ersten zünden Feuer an
gegen die dunkle Zeit

Wir sind wieder weit vorm März
Aber wer kennt schon heute die Wahrheit? Land- und Stadtboten gleichermaßen gestraft
Wer jetzt im Krankenhaus liegt
ist in keiner guten Verfassung

Ich weiß vom Kreislauf der Jahre
und dass der Sommer wiederkommt
Aber frierend versteifen mir die Finger der linken Hand (sie ist meine Schreibhand)

Die Sonne ist schon längst aus den Wolken hervorgebrochen
Doch sie sagen
das Gold am Ende des Regenbogens
muss man eh verzollen

Ich aber betrachte den Regenbogen
Jüngst errungenes Gut
Frage mich
nicht
Wo er hingeht
nur
Wo er herkommt
und ob wir nicht alle dorthin gehen könnten
Gemeinsam
-bloß so eine Idee.