Schreiben bis zum Ende- der Versuch einer Verteidigung

Schreiben
bis zum Ende
-der Versuch einer Verteidigung-

Wir Schreibenden sind Getriebene
von einer unsichtbaren Hand.
Kein Mensch hat je die Peitsche erhoben
und schon lange ist alles gesagt

Ist es nicht verschwenderisch, Seite für Seite zu schreiben und schließlich am Ende angekommen, festzustellen, dass der Großteil der Worte überflüssig ist?

Nein. Keines der Worte ist überflüssig.
Ich gehe auf ihnen über den reißenden Fluss, und um ans Ende zu kommen, muss ich auch den Anfang gehen.

Wo ist es, dieses Ende?

Direkt gegenüber des Anfangs. Die andere Seite des gleichen Weges.

Und wie findest du den Weg?

Ich gehe. Wort für Wort. Fange vorne an. Gerade da tun sie sich noch schwer. Sind wackelig, und manchmal verliere ich den Halt.

Wie ist es, im Wasser zu treiben? Im Wirbel der Masse zu ziehen?

Zu schwer um unterzugehen.

Und raus?

Nur mit blutigen Knien.

Schmerzhaft.

Weh tut es mir nur, um die Seiten, die ich verwerfe.
Für jedes weitere Blatt
ein Baum
mächtige Esche zu Schnipseln im Müll
Blätterregen als wäre schon Winter.

Aber die Zeit, die du verlierst…

Nur was man besitzt, kann man verlieren.

Warum dann trotzdem…

Der Versuch, sie festzuhalten?

Ja.

Ich halte sie nie. Ich bitte sie nur sich zu zeigen.

Und kommt sie…

Der Bitte nach? Gelegentlich.

Kannst du überhaupt so schnell schreiben, wie du denkst?

Nein, ich kann es nicht. Ich renne immer hinter mir her
Atemlos
bin ich nie
und schnappe trotzdem nach Luft.
Ich hänge immer ein bisschen zurück
laufe konstant im eigenen Schatten.
Bis ich mich dann aufhänge

wie eine Platte
die immer und immer wieder das Gleiche spielt
weil sie zu lange um sich selber gekreist ist

auf der Stelle tretend komme ich nicht mehr voran
Wasser tretend
und keine Milch
zu Butter

Und wenn ich dann stolpere
-denn der Vergleich hinkt
falle ich auf ein Kissen aus Luft

zu dünn
um mich auszuruhen.

Vielleicht nur eine Wolke
die schon bald vorüberzieht
und bloß ein paar Tropfen den Ozeanen hinzufügt.

Und in diesem Tropfen
bricht sich die Sonne, spiegelt sich die Erde,
und in diesen Tropfen verirrt sich das Licht.

Gefangen im Aether sehnt man sich manchmal nach dem Schmutz des Bodens.

Warum?

Weißt du-
Wir Schreibenden sind Getriebene.
Fallende Federn im Aufwind der Erde.

bmh hat mich mit einem Kommentar zu einer meiner letzten Veröffentlichungen hierzu inspiriert. Danke dafür!

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