Die Krux des Schreibens

Die Krux des Schreibens

Ich muss schreiben
um leben zu können
und kann es doch gerade nicht,
denn ich muss wohl erst leben
um schreiben zu können.
Und so lebe ich nicht
und schreibe auch nicht
und frage mich bloß:
woher kommt denn eigentlich
dieses Gedicht?

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Zwiegespräch

Klagelied einer Lyrikerin

Ich nenne mich
Ich
Ich nenne dich
Du

Ist damit nicht alles gesagt?

Ich sage nicht man
wenn ich von mir rede
und ich spreche dich an
wenn ich mit dir rede

Ist damit nicht alles gesagt?

Ich denke
also bin ich
du bist
deshalb denke ich

Damit ist alles gesagt.

Und trotzdem fehlen mir die Worte
für das
Du und Ich

Wie gerne nannte ich dich und mich
wir

Aber ich und du
das reicht nicht zum wir
das ist bloß ich und du
zum wir aber
bedarf es ein war
ein Wesen uralt und beständig
das vor gestern schon begann
das bis ins heute lebt
Das aus ich und du
wir
werden lässt
aus zwei Dingen
Eines
macht

Doch das war: nur einmal

das war
ist vergangen
das war
ist gegangen

Es ist ein Gewesen geworden
ein schreckliches Wesen
an dem alle wir
langsam verwesen

Und das wir: ward keinmal

So bleibt
am Ende
vom ich und vom du
nur der Gedanke an Dich
und für mich
nur das U

bloß der zehnthäufigste Buchstabe in deutschen Texten

Antwort des Mathematikers

Ich bin ein Paradox.
Eine Parallele zu allen Geraden.

Ein Strich in der Landschaft.
Eine ganze Dimension zu wenig.

Und Du
sprichst Mich
an.

Das ist eine Menge.

Und ja
Vielleicht hast du Recht
und wir sind bloß
Ich und Du
und es bleibt dir nur das U.
Was soll’s?
Dreh den Spieß doch einfach um
und du findest
was uns eint:
Ich ∩ Du.

Was wir haben
ist irrational.
Es lässt sich nicht bloß
als Verhältnis von Zweien darstellen.

Vergiss das War
denk an Morgen
-auch wenn dir das jetzt noch
fern jeder Realität
erscheinen mag.
Gib

Denn dort treffen sich schließlich die Parallelen.

Q.E.D.