Es ist kitischig. Oh, es ist so kitschig, dass ich gar nicht weiß, woher das kommt. Ich muss Unmengen zuckersüße Wattewölkchen im Kopf gehabt haben, als ich es geschrieben habe. Aber vielleicht ist es auch einfach nur mein Herz, das sich bei all den schrecklichen Nachrichten in dieser Zeit nach etwas anderem sehnt.

Ich kannte mal einen König. Ein starker, mächtiger König war es, der über ein großes Reich herrschte. Er war ein guter Kämpfer, und seine Feinde fürchteten ihn. Sein Sohn jedoch schien so gar nicht nach dem Vater zu kommen. Anstatt sich im Schwertkampf zu üben, wandelte er stundenlang durch die Wälder, die die Burg umgaben, und wenn er einen Mann im Zweikampf besiegen sollte, dann gab er bereitwillig auf, nur um sich wieder seinen Studien der Blüten und Blätter widmen zu können.
Dem König missfiel das Verhalten seines Sohnes jedoch sehr. Immer wieder ermahnte er ihn, an seine Pflichten als Königssohn zu denken, und immer wieder ging der Sohn danach im Wald spazieren und beobachtete die Vögel und Rehe.
Also verbannte der König seinen Sohn in die äußersten Gebiete des Reiches. Dort sollte er lernen zu kämpfen und stark werden, um, wenn er wiederkam, ein würdiger Nachfolger zu sein.
Aber die Jahre vergingen und der Sohn kam nicht nach Hause, denn die Vasallen des Königs, die dieser seinem Sohn an die Seite gestellt hatte, berichteten dem König jedes Jahr aufs Neue, dass der Sohn sich nicht geändert habe und weiterhin die Natur dem Kampfe vorziehe.
Und der König wurde sehr wütend und er ärgerte sich, aber er grämte sich auch, denn er hatte nur diesen einen Sohn, und er fürchtete um sein Königreich, sollte er einmal nicht mehr sein.
Es kam der Tag, an dem die Späher des Königs das Herannahen des Feindes ankündigten. Schnell stellte der König seine Armee auf, und traf die nötigen Vorkehrungen, um sein Reich zu schützen. Seinen Sohn aber ließ er, wo er war, denn er dachte sich: Jetzt hat er endlich die Chance, zu beweisen, was in ihm steckt. Jetzt wird er kämpfen müssen, ob er es will oder nicht. Und er war sehr froh darüber, dass sein Sohn endlich keine andere Wahl mehr hatte, als sich dem Kampf zu stellen, und gleichzeitig hatte er große Angst, denn er wusste nicht, wie es weitergehen würde, sollte dieser dem Kampf nicht gewachsen sein. Und so zitterte der König sehr, als er sein Schlachtross bestieg.
Die Feinde kamen in großer Zahl, und sie preschten auf die Außenflanken des Reiches zu, ausgerechnet dort, wo der Sohn des Königs lebte und daher Stellung bezogen hatte. Und dem König wurde Angst und Bange, als er die Nachricht hörte, welchen Weg seine Feinde eingeschlagen hatten, und er fürchtete, schon bald in deren Augen zu blicken, und darin die schreckliche Botschaft vom Tod seines Sohnes zu finden.
Aber es kam niemand. Die Stunden vergingen und das Pferd des Königs wurde unruhig, und die Schar der Ritter, die sich um ihn versammelt hatten, begann nervös mit ihren Schwertern zu spielen.
Irgendwann kam ein einzelner Reiter auf den Tross des Königs zugeritten. Es war einer der Späher des Königs. Der Feind sei abgezogen, verkündete er.
Der König wollte seinen Ohren nicht trauen. Das war bestimmt ein Missverständnis, oder gar eine Falle. Aber der Späher bestätigte noch einmal, was er zuvor gesagt hatte: die Feinde waren wieder von dannen gezogen.
Wie es dazu gekommen wäre, wollte der König dann wissen.
Nun, sagte der Mann, das habe der König einzig seinem Sohn zu verdanken.
Und der König jubilierte innerlich, und dachte bei sich: Endlich hat er es geschafft und gezeigt, was für ein Mann er ist.
Erzählt mir von der Schlacht, rief er begierig aus.
Doch der Mann schüttelte nur den Kopf. Es habe keine Schlacht gegeben.
Wie könne das sein?
Als die Feinde kamen, und in das Königreich einfielen, erzählte der Mann, da wurden sie von Anblick, der sie erwartete, sehr überrascht. Denn dort in den Außenbezirken, in denen der Sohn all die Jahre gelebt hatte, sahen sie keine Mauer, sondern Blumen. Der Sohn hatte, während er dorthin verbannt war, in mühevoller Kleinarbeit die gesamte Festungsmauer in diesem Bereich abtragen lassen, und dort einen Garten angelegt. Ein wahres Blütenmeer sei dort entstanden.
Und als nun die Feinde kamen, da waren diese zunächst sehr erstaunt ob des Fehlens einer Mauer. Aber sie sahen die Blumen, die Farben, und das sanfte Wogen der Blätter im Wind. Und sie verzichteten auf einen Angriff, denn sie sagten sich, dass man so etwas Schönes nicht zerstören könne.
Der Vater schwieg lange, so lange, dass der Mann schon nicht mehr mit einer Reaktion rechnete. Dann aber sagte er: Bitte fragen Sie meinen Sohn, ob er nach Hause zurückkehren möchte. Ich habe ihm Unrecht getan, und ich möchte von ihm lernen.
Ob der Sohn kam, ist mir nicht überliefert, aber heute blüht auf dem Platz vor dem Schloss ein buntes Blütenmeer, und Lachen segelt über die Wellen.

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