Nachtrag zu „Europa geht baden“

Es hat einige Zeit gedauert, bis ich die Ereignisse nach dem 23. Juni verarbeitet hatte, aber jetzt sind auch die Wörter angekommen. 

Am 23. Juni brach der Balkon ab. Im Nachhinein bereuten nur einige der jungen Leute, die wild auf dem Balkon herumgehüpft waren, dass sie seine Stabilität hatten ausprobieren wollen, obwohl sie gewusst hatten, wie instabil die Konstruktion geworden war. Aber es war zu spät dafür. Sie hatten ihren Spaß gehabt und jetzt mussten sie mit den Trümmern leben.

Vielleicht kann man ja aus den Trümmern noch etwas ganz nettes bauen, sagte einer.

Die restlichen Hausbewohner beobachteten ihre Geschäftigkeit mit Kopfschütteln und Bauchweh
„Spätestens wenn der erste sich an einem der Trümmer geschnitten hat, und sich eine Blutvergiftung eingehandelt hat, wird ihr Aktionismus sterben.“ Die anderen pflichteten dem Sprecher bei, man saß zusammen, und bekräftigte noch einmal, wie extravagant dieser Balkon gewesen war.

Ein paar Kinder saßen derweil in einer Ecke. Die Kleidung noch nass vom ausgelassenen spielen im Wasser, die Wangen gerötet, die Haare zerzaust. Aber ihre Schultern hingen ein wenig tiefer, als vorher.
Sie schauten hoch zu dem Loch in der Wand, wo einst der Balkon gewesen war.
Es zieht, sagte eines. Es wird kalt, ein anderes.
Ach, hört auf zu jammern, sagte ein drittes. Wenn wir uns nur einen Schnupfen holen, dann haben wir wirklich noch Glück gehabt. Wir müssen echt vorsichtig sein, dass wir nicht durch das Loch fallen und uns ganz böse wehtun. Und dann schwiegen alle.

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