Am Strand 

Schon so lange stehen wir hier
am Strand
und beobachten die Wellen
Wie sie kommen
Und wie sie gehen
Was sie bringen
Und was sie nehmen

Wir haben Muscheln gesammelt
Und Seetang
Und es riecht
nach Salz
auf meiner Haut

Und die Sonne geht unter
am Horizont
bei offener Blende
höre ich mich fragen

Was tun wir
Wenn es gleich dunkel ist?

Und
Wie lange
muss ich belichten
um das Glück einzufangen?

Denn vielleicht
fliegt es gerade weg
Vielleicht
ist es bloß
eine Fledermaus
So flatterhaft und eilig
und ganz blind
für unsere Sinne

Eine Fledermaus
und der dunkle
Schatten
macht uns Angst
Schmerzhafte Erinnerung daran
wie rot
das Blut
in unseren Adern fließt

Ja
Sagst du
Vielleicht ist es nur
eine Fledermaus
Ein kleiner Jäger
der auch im Dunkeln
seinen Weg noch findet

Daseinsrecht Und Daseinsschlecht

Xeniana hat mich mit ihrem Beitrag zur Daseinsberechtigung heute zum Dichten angeregt. Danke dafür!

Neulich bin ich aufgewacht,
der Zweifel saß auf mir.
Mitten in der Nacht gefragt:
„Was machst du denn hier?“

Er lächelt fies und sagt mir dann:
„Das möcht ich dich gern fragen
Dass du noch immer bei uns bist
Gewagt!“- „Wie kannst du’s wagen?“

Ins Dunkle wurd er fortgejagt
Und doch am nächsten Morgen
Nicht vergessen was er nachts
gesagt. -ich mach mir Sorgen.

Mehr schlecht als recht
mehr Schein als sein
und oft nur da statt hier

Den Anschein hat’s
mein Dasein ist
mehr Bürde nur als Zier.

Den Zweifel wieder aufgesucht
und intensiv befragt.
Er hat nach kurzer Zeit mir schon
das Wichtigste gesagt:

„Die Daseinsberechtigung
Erhältst du beim Amt
Es ist ein blauer Schein.“

„Und wenn es doch
Ein Schein nur ist
Darf ich dann damit sein?“

Ich bin trotz allem
hingegangen
und hab mich angestellt.
Die Menschen, die den Schein schon hatten
War’n Superstar und Held.

In einem kleinen grünen Kasten
ganz unten auf dem Schein
stand für jeden Antragsteller
der Grund fürs Recht zu sein.

Später kamen Wunderbare
Mächtige und Frauen
Geldbesitzer, Fragensteller
ein Frommer und ein Clown.

Den Schein hab ich
nach langer Zeit
des Wartens dann Erhalten,
und in der Spalte für den Grund
War Mitleid festgehalten.

„Sie sind empört? Was haben Sie
sich denn dabei gedacht
hier aufzukreuzen wie Sie sind?“
Man hat mich ausgelacht.

Ich habe dann
vor allen dort
das weiße Blatt zerrissen.
Mit leeren Händen weggefahr’n-
Ich werd es nicht vermissen.

-Habe ich recht
Wenn ich sage
Es ist keine Frage
Ob ich das Recht
Zu sein
Auch ohne Schein
Habe?-

Nun. Ich lebe seitdem ohne Schein.
Das ist wohl illegal.
Entscheide selber, was ich bin
drum ist es mir egal.

Nachtrag zu „Europa geht baden“

Es hat einige Zeit gedauert, bis ich die Ereignisse nach dem 23. Juni verarbeitet hatte, aber jetzt sind auch die Wörter angekommen. 

Am 23. Juni brach der Balkon ab. Im Nachhinein bereuten nur einige der jungen Leute, die wild auf dem Balkon herumgehüpft waren, dass sie seine Stabilität hatten ausprobieren wollen, obwohl sie gewusst hatten, wie instabil die Konstruktion geworden war. Aber es war zu spät dafür. Sie hatten ihren Spaß gehabt und jetzt mussten sie mit den Trümmern leben.

Vielleicht kann man ja aus den Trümmern noch etwas ganz nettes bauen, sagte einer.

Die restlichen Hausbewohner beobachteten ihre Geschäftigkeit mit Kopfschütteln und Bauchweh
„Spätestens wenn der erste sich an einem der Trümmer geschnitten hat, und sich eine Blutvergiftung eingehandelt hat, wird ihr Aktionismus sterben.“ Die anderen pflichteten dem Sprecher bei, man saß zusammen, und bekräftigte noch einmal, wie extravagant dieser Balkon gewesen war.

Ein paar Kinder saßen derweil in einer Ecke. Die Kleidung noch nass vom ausgelassenen spielen im Wasser, die Wangen gerötet, die Haare zerzaust. Aber ihre Schultern hingen ein wenig tiefer, als vorher.
Sie schauten hoch zu dem Loch in der Wand, wo einst der Balkon gewesen war.
Es zieht, sagte eines. Es wird kalt, ein anderes.
Ach, hört auf zu jammern, sagte ein drittes. Wenn wir uns nur einen Schnupfen holen, dann haben wir wirklich noch Glück gehabt. Wir müssen echt vorsichtig sein, dass wir nicht durch das Loch fallen und uns ganz böse wehtun. Und dann schwiegen alle.

Blindes Vertrauen

Am heutigen Abend
Sehe ich nichts
Die Augen vor Schreck weit offen.

Die Bilder erreichen
den Kopf heut nicht
Denn zu verstehen kann ich nicht hoffen.

Sehenden Auges
Bleibe ich blind
Schwarz wären sonst die Gedanken.

Bunte Bilder
Füllen den Raum
Und der Boden fängt an zu wanken.

Ich halte mich an
Dem Glauben fest
Dass Menschen
Gut
Sein können.

Nennt mich naiv.
Nennt mich dumm.
Nennt mich
                              Hoffnungsvoll.

Am heutigen Abend
Will ich nicht sehen
Was
Ginge es nach der Gewalt
Ich sehen soll.

Was es bringt 

Lyrifant hat mich mit diesem Gedicht hierzu inspiriert. Danke dafür!

Es bringt uns
Weiter
Sagen sie und schärfen die Waffen

Es bringt uns
Voran
Sagen sie und treten auf die Straße

Es bringt uns
Ein besseres Leben
Sagen sie
                                                und töten

Es bringe
so viel

Es bringe
Nichts immer nur zu jammern

Es bringe uns den Sieg
Und ein besseres Leben
Eines Tages würden wir wieder lachen

Es bringt
Mich zum Lachen
Das im Halse stecken bleibt

Wo bringt es uns
Denn weiter?

Es bringt uns
Zurück
Ins Damals
— Die Welt sei noch in Ordnung gewesen

Ich verstehe nicht

Es bringt mich
Um meinen Verstand

Es bringt
Doch nur Leid und Tränen

Es bringt doch
Am Ende
Uns alle
Nur um

Und was
Bringt das denn?

Ach!
Es bringt ja doch nichts
Dir das zu erklären
Sagen sie
Bestimmt

Das stimmt.
Es bringt ja doch
Nichts