Des Frosches Leid

Es war einmal ein Gummifrosch
Der ganz viel auf sich hielt.
Er vergaß nur viel zu schnell
Wie oft das Leben spielt:

Der Frosch wollt gern der Größte sein
Doch wusste er nicht wie
Er blähte sich oft mächtig auf
Doch groß war er dann nie.

Er fragte sich:
Wie zeig ich nur, wie toll ich wirklich bin?
Nachts kam endlich die Idee
Zum Großvolk muss ich hin!

Eifrig durch den Wald gehüpft
Zum Luchs geschwind dahin
„So schnell wie er, und das ganz bald,
Danach steht mir der Sinn“

„So könnte ich viel Eindruck schinden,
Wär immer fix zur Stell
Könnt überall präsent mich zeigen
Denn ja, ich wär recht schnell.“

Doch wie er es auch ausprobierte:
Nie war er schnell genug
Und immer was, das ihn parierte-
Es war nur Lug und Trug.

Da sah der Frosch den Bären sitzen
Hoch auf dem grauen Stein.
„Der hat Macht- und muss nicht schwitzen-
Nur hoch muss man wohl sein.“

Er suchte lang, es war nicht leicht,
Den Thron für seine Ehre
Den er leicht erklimmen könnt,
Wo Platz für Hörer wäre.

Irgendwann dann doch gefunden:
Den perfekten Baum.
Hoch geklettert, tief gefallen-
Aus der schöne Traum.

Zahlenspiel

Einfach
Alle Zweifel über Bord geworfen
Dreimal auf Holz geklopft
Im Viervierteltakt getanzt, nicht ganz
Aber Fünf gerade sein lassen
Den Sechser im Lotto gefunden
Im Wasser siebend nach Gold
Eine Achterbahnfahrt der Gefühle
Als die Turmuhr neun schlug dich geküsst
Und damit der Einsamkeit eine Nullrunde verpasst
Neunzig werden wollte ich mit dir
Die anderen lachten nur
Auf keinen fall durfte ich das versieben
Aber Sex nimmt
Und jetzt bin ich das fünfte Rad am Wagen
Traurige Klaviersonaten gehört
Und nachts um drei
Kommen wieder die Zweifel
Denn mit einmal
Ist dir alles
Nichts mehr wert.

Sing Street- Eine Filmkritik

Sing Street- Eine Filmkritik

Dublin, 1985. Rezession und hohe Arbeitslosigkeit zwingen Familie Lalor zu Sparmaßnahmen. Sohn Brendan hat das College längst geschmissen und verbringt die Tage Gras rauchend im Haus, Tochter Ann hat den Traum ihrer Künstlerkarriere gegen ein bodenständiges Architekturstudium getauscht- bleibt also nur der jüngste, Conor, der vom privaten Jesuitenkolleg zur öffentlichen Christian-Brothers Schule wechseln muss.
Am ersten Tag findet er dort statt frommer Brüder nur Prügelei und macht Bekanntschaft mit der Faust des Schultyrannen und der Selbstherrlichkeit des Direktors.
Keine schöne Gegend, also.
Wäre da nicht Raphina, die vor dem Haus gegenüber des Schulhofes steht und so schön unnahbar ist, dass schon etwas Besonderes her muss, um Ihre Aufmerksamkeit zu erregen.
Conor lädt sie deshalb ein, beim Dreh des Musikvideos seiner Band mitzuwirken. Einziges Problem: es gibt keine Band. Und woher nehmen, wenn nicht stehlen?
So viel dazu: Conor findet die passenden Mitglieder. Und er macht Musik. Und dreht Videos. Und er lernt, über sich selber, seine Familie, das Leben. Und bei allem dabei ist immer die Musik. Im Kopf, notiert, gespielt, aufgenommen, angehört.
Sie ist Rebellion, aber vor allem ist sie Halt in einer Zeit, in der sowohl die äußeren Umstände, als auch der innere Prozess des Erwachsenwerdens den einst festen Boden unter den Füßen zu einer verdammt rutschigen Angelegenheit machen.

John Carney hat bei diesem Film wieder mit altbekannten Gesichtern zusammengearbeitet. Adam Levine, den er in „Can a Song Safe Your Life“ nicht nur musikalisch sondern auch als Schauspieler verpflichtete, ebenso wie Glen Hansard, der schon den Soundtrack für „Once“ lieferte und damit den Oskar für den Besten Song gewann; sie beide sind Interpreten der Songs von Gary Clark und John Carney- ein wundervoll nach 80er klingender Soundtrack, der die Geschichte nicht nur untermalt, sondern sie durchwebt, jeder Song ein Abschnitt des Films und ein weiterer Schritt für die Protagonisten.
Es mutet dabei sehr idealistisch an, wenn am Ende der Schläger vom Dienst seine verkorkste Familie verlässt, und als Roadie die Band unterstützt; und es wirkt irgendwie konstruiert, wenn das kleine Motorboot des Großvaters die große Fahrt über den Teich ermöglichen soll.
Aber genau das macht diesen Film aus: diese kleinen Bilder, in die man so viel mehr hinein interpretieren kann, als die bloße Geschichte, die vordergründig damit erzählt wird.
Der Film spielt mit diesen Bildern, wie Conor auf seiner Gitarre: fragend, zaghaft, dann wieder rockig und präsent. Immer wieder auf der Suche nach Antworten auf die Fragen, die das Leben stellt. Und ähnlich pathetisch wie in „Can A Song Safe Your Life“ fragt John Carney, ob ein Musik gewordener Traum in der Lage ist, Stütze im Leben zu bieten und stark genug zu sein, um daran zu wachsen.
Denn dass es „nur“ ein Traum ist, zeigt die letzte Szene, in der die Arbeit mit dem Blue Screen so überdeutlich zu erkennen ist, als handele es sich um einen Low Budget Film, sodass man sich fragt, ob John Carney nicht genügend Geld hatte, auch noch diese Szene vernünftig abzudrehen. Vielleicht hätte er genügend gehabt. Aber er wollte gar nicht. Diese letzte Szene ist der stilistisch erhobene Zeigefinger, der den Zuschauer wieder aus dem Film herausholt, und ihn in den Kinosaal zurück katapultiert.
Aber das ist weder belehrend noch frustrierend.
Denn dieser Traum ist so wundervoll verpackt, dass man am Ende den Saal verlässt, „we’re never gonna go, if we don’t go now“ summend, und mit dem Gefühl, dass mit dem richtigen Soundtrack alles möglich ist.

Sing Street, 2016. Ein Film von John Carney, mit Ferdia Walsh-Peelo, Lucy Boynton und Jack Reynor