Wahlkampf

Der Bürgermeister-Kandidat einer Partie hat zur letzten Wahl am Wahltag Berliner an jede Haustür gehängt. Fettgebäck! Keine Menschen! Was denkt ihr denn bitte von Politikern, dass ihr erwartet, dass sie Menschen an die Türen unbescholtener Bürger hängen? Man mag über Berlin und seine Bewohner denken, was man möchte: an meiner Haustür möchte ich sie jedenfalls nicht hängen haben. 

Allerdings: auch die zuckrigen Krapfen weckten nicht gerade meine Begeisterung. Warum? 

Nun: Mir geht es gar nicht darum, dass besagter Kandidat offenbar denkt, er könne Wähler besser über Zucker locken, und nicht über Argumente. Auch wenn es bestimmt interessant wäre, zu überlegen, welche Aussage sich hinter diesem Wahlgeschenk verbirgt (Ausdruck seiner eigenen Inkompetenz: sein Programm hat nicht mehr Inhalt, als ein Berliner Marmelade enthält, oder Ausdruck seiner Arroganz gegenüber den Wählern, denen er nicht zutraut, ernsthaft über Argumente nachdenken zu können). 

Nein. Mir geht es vielmehr um das Geschenk an sich. 
Berliner. Ernsthaft? Das fängt ja schon beim Namen an. Bei der Bürgermeisterwahl in einem Ort in tiefster westfälischer Provinz erwarte ich Lokalstolz- und nicht die Orientierung an der großdeutschen Hauptstadt. Wo soll das bitte hinführen, wenn wir alle nur noch nach Berlin schauen, und unsere Dorfelite aus dem Augen verlieren? 

Außerdem: Berliner. Weißmehl und Zucker. Das treibt den Insulinspiegel ja nur so in die Höhe. Danach kommt dann aber regelmäßig der Absturz. Hätte ihm da nicht wirklich etwas besseres einfallen können? 

Außerdem: frittiert! Wenn Ernährungsforscher sich in einem einig sind, dann darin: frittierte Fette, ach wie ungesund!

Zudem kommt der Berliner, ganz eindeutig, nicht von einem unserer lokalen Bäcker. Nein. Das zuckrige etwas wurde in einer Massenfabrik produziert, für eine dieser Ketten, bei denen man ja weiß, wie da die Preispolitik betrieben wird. 

Und jetzt noch der Super GAU: das Ganze steckt in einer Plastiktüte. Plastik. Damit wir alle noch mehr dazu beitragen, dass unsere Umwelt von Müll überschwemmt wird, der über hundert Jahre nicht verschwindet. 

Sein Wahlwerbegeschenk war also das genaue Gegenteil der eierlegenden Wollmilchsau. Es war quasi das braune Atomkraftwerk mit Massentierhaltungsoption direkt an meiner Haustür. 
Aber eigentlich kommt das schlimmste noch. Ernsthaft. Das allerschlimmste an der ganze Sache war: der Berliner, er schmeckte mir nicht. Gar nicht. Und woran lag das? An der Füllung. Anstelle von Marmelade kam dieses Exemplar nämlich mit Nutella daher. Igitt. 
Ich habe dann den anderen Kandidaten gewählt. Der hatte Luftballons an den Wahlständen. Da weiß man wenigstens, was man bekommt: sehr viel Luft. 

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