Luft holen 

Luft holen 

Lange schon
Nur die Sonne gesehen
See und Strand und rote Sandalen

Raus! Raus!
Nichts hält uns im Haus.
Wir wollen
Das Grüne genießen.

Das Wasser
Aufgewühlt von kraulenden Armen
Das Gras
Ermattet vom Liegen
Die Sonne
Ausgebrannt vom ewigen Strahlen

Und dann

Ein Sturm
Ein Blitz
Ein Donnerschlag

Wie Wellen im Meer
wäscht der Regen
in endlosen Bahnen
die Fensterscheibe.

Blicke bleiben
an Bächen hängen.
Die Welt da draußen ertrinkt.

Und während hier
Alles
In
Chaos
Versinkt

Kommt die Natur
Zur Ruh.

Lady In The Van- eine Filmkritik

Lady In The Van- eine Filmkritik

Es klingt so verrückt, dass es nur wahr sein kann: In London lebte jahrelang eine obdachlose alte Dame in einem heruntergekommenen Van im Garten eines Theaterautors, der diese Begebenheit schließlich zu Papier brachte. Diese Geschichte ist jetzt verfilmt worden: mit einer grandiosen Maggie Smith in der Hauptrolle. 
Es sind zwei Welten, die da aufeinander prallen. Mary, die unfreundliche (Danke kommt ihr grundsätzlich nicht über die Lippen), ungepflegte („Sie stinkt!“ urteilt der Nachbarssohn), unbeirrbare (da von Gott geleitete) alte Frau, und Alan, der Theaterautor, der alleine in einem viel zu großen Haus lebt, nur nachts Besuch von diversen Männern bekommt, die nie zum Kaffee bleiben, und der den geistigen Verfall seiner Mutter beobachtet und für seine Bühnenstücke als Inspiration nutzt. 
Mary lebt, nach einem Unfall zunächst ungeklärter Ursache mit Todesfolge in ihrem Van und gilt als geduldetes Accessoire am Gloucester Crescent. Die Anwohner nutzen ihre Anwesenheit, um vor Ort caritatives Werk für Ihr Wohlbefinden zu tun, ohne jedoch allzu nah mit der komischen kauzigen Frau in Kontakt kommen zu wollen. Einzig Alan, selber zerrissen angesichts eigener Probleme, und von dem Drang getrieben, etwas hervorragendes zu Papier zu bringen, nähert sich ihr. 
Und während seine Mutter fantasiert und abdriftet, und er immer seltener ihre Gesellschaft sucht, findet er immer häufiger die Gesellschaft der alten Mary, die sich, galant, in sein Leben hineinkomplimentiert und für 15 Jahre nicht daraus verschwindet. 

Das ist keine Geschichte über eine klassische Freundschaft, die sich daraus entwickelt. Dazu sind beide Charaktere viel zu ungleich, zu verschlossen, zu eigensinnig. Aber dieser Film zeichnet das Leben zweier Menschen, die der Zufall zusammenbringt und das Leben bis zum Ende nicht mehr trennt.

Das ist deshalb vielmehr die Frage danach, wie wir eigentlich mit alten Leuten umgehen- und die Frage danach, wer bestimmt, wann ein Mensch zu alt ist, um selbstbestimmt zu leben. 
Das ist die Frage danach, wie wir mit Menschen umgehen, die anders sind, als die Norm. 
Und das ist die Frage danach, wie wir damit umgehen, dass unser Leben nicht immer so von uns bestimmt wird, wie wir es planen. 
„Das habe ich mir nicht ausgesucht, das wurde ausgesucht.“, sagt Mary über ihr Leben im Van. Das klingt nach Verbitterung, ist es aber nicht. Ihr Van ist keine Villa, aber es ist ihr Van. Ihr Zuhause. Ungebetenen Besuchern schließt sie die Tür vor der Nase, und wirklich glücklich scheint sie nur dann, wenn sie, in großen Klecksen, Farbe auf die verrosteten Stellen im Lack verteilt.
Das ist das Leben einer Frau, die, obwohl sie aufgrund äußerer Zwänge nicht den Traum ihrer Jugend leben kann, sich trotzdem in dem Leben einrichtet, das ihr bleibt. Zweifelnd, suchend, flehend, kämpfend und niemals aufgebend.

All diese Tage mit Mary haben das Leben von Alan Bennett geprägt. Es ist daher fast von zwingender Konsequenz, dass der Autor selber in der letzten Szene ins Bild tritt, und dabei ist, als die Plakette der „Frau im Van“ an der Wand seines Wohnhauses enthüllt wird. 

Sie war in seinem Leben mehr als nur Gast in seinem Garten.

Absolut sehenswert. 

Lady in the Van. Screenplay von Alan Bennett. Hauptrollen: Maggie Smith, Alex Jennings.

Das mache ich morgen 

Das mache ich morgen 

Ich mag To-Do Listen. To-Do Listen sagen mir: das musst du noch tun. Das ist weniger schön, das versteht sich von selbst. Wenn einem jemand den ganzen Tag sagt, was man noch zu tun hat, dann ist das nervig. Und wirklich wenig sympathisch. Mein Chef sagt mir auch den ganzen Tag, was ich zu tun habe. Ich mag ihn. Wirklich. Aber weil er menschlich toll ist. Nicht, weil er mir sagt, was ich tun soll. To-Do Listen aber mag ich gerade, weil sie mir sagen, was ich machen soll. Das ist nun, auf den ersten Blick, etwas irritierend, das muss ich zugeben. Aber, es lässt sich erklären. Denn To-Do Listen nehmen mir, anders als mein Chef, Arbeit ab. Mein Chef kommt jedes Mal mit neuen Aufgaben daher. Die To-Do Liste aber enthält Aufgaben, die ich schon kenne. Die quasi alt sind. Altbekannt auf jeden Fall. Die To-Do Liste enthält Aufgaben, die ich vorher im Kopf hatte, und dann an die To-Do Liste weitergegeben habe. Sie enthält also Aufgaben, die ich mir selber gegeben habe. Aufgaben, die ich mir eigentlich selber aufgeben muss, aber da die Listen mir das sagen, brauche ich es nicht mehr zu tun. Falls die Liste es nicht tun würde, müsste ich die ganze Zeit mit mir selber reden. Das finde nicht nur ich anstrengend, sondern auch viele andere suspekt (zumindest, wenn ich es laut mache, was ich gelegentlich zu tun pflege). Also mag ich To-Do Listen. Sie helfen mir, mich sozial adäquat zu verhalten, und gleichzeitig Platz im Kopf für wirklich wichtige Dinge zu haben. Allerdings gibt es neuerdings ein Problem. Die To-Do Listen und ich, wir arbeiten nämlich recht gut zusammen. Nur führt diese Zusammenarbeit nicht zu den gewünschten Ergebnissen. Sie sieht nämlich folgendermaßen aus: ich muss etwas machen. Etwas wirklich wichtiges. Zum Beispiel einen Text schreiben. Die Steuererklärung machen. Das Geburtstagsgeschenk der Abteilung für den Chef kaufen. Alles wirklich wichtige Sachen. Aber auch alles wirklich unliebsame Dinge. Ich weiß nämlich, dass sie lange dauern. Anstrengend sind. Und meistens weiß ich noch gar nicht genau, wo ich jeweils anfangen soll. Und da fängt das Problem an. Ich schreibe all diese Dinge auf eine To-Do Liste. Ganz nach oben. Schließlich sind es wirklich Top-Prioritäten. Und dürfen auf keinen Fall vergessen, oder von anderen, unwichtigeren Dingen, verdrängt werden. Darunter schreibe ich dann all die Dinge, die ich auch noch machen muss. Immer wiederkehrende, so wie: Haus putzen. Einkaufen. Wäsche waschen. Unkraut jäten. Und Sachen, die mal gemacht werden müssen. Das Regal im Keller aufbauen. Neue Saiten auf meine Gitarre spannen. Die Bank vor dem Haus streichen. 

Und ich kann machen was ich will: das Haus ist sauber, das Regal steht, tipptopp, und ist sogar einräumt, auf der Gitarre habe ich schon drei neue Lieder gespielt, und zwar auf der jetzt grün glänzenden Bank vor dem Haus. 

Und meine To-Do Liste strahlt. Strahlt, vor ganz vielen abgehakten Aufgaben. Sie ist richtig zufrieden mit mir. Gut gemacht! So viel schon erledigt! Dass die obersten Aufgaben immer noch unerledigt sind, kann ich vor lauter erledigt-Gefühlen da schon mal schnell vergessen. 
Deshalb habe ich mir überlegt, dass ich etwas ändern muss. Und siehe da, als hätten andere es geahnt, flattert an diesem Tag meine abonnierte Zeitschrift ins Haus, und hat, als besonderes Extra, dieses Mal eine Sonderbeilage: ein kleines Heft, DIN A6, mit dem Titel: „Das mache ich morgen! 48 Seiten Tipps für ein besseres Zeitmanagement.“ Super, habe ich mir gedacht, und das Heftchen gleich auf die Küchenanrichte gelegt, damit ich es ganz schnell lesen kann. Ich hätte es natürlich auch sofort lesen können, aber das passte irgendwie nicht so gut. Ich weiß schon gar nicht mehr warum. Aber ist ja auch nicht so schlimm. Ich habe ich es ja extra ganz offen da hingelegt, wo ich es sofort sehen würde, wenn ich Zeit finden würde. 

Da lag es also. Am nächsten Tag hatte ich immer noch keine Zeit gefunden. Es lag mir auf der Anrichte im Weg, deshalb habe ich es ins Wohnzimmer gelegt. Nicht, dass die wertvollen Tipps noch Ölspritzer abbekommen würden. Einige Tage später war mal wieder Zeit für den Hausputz. Das Heft lag auf dem Tisch, den ich wirklich mal wieder entstauben musste. Also ist es ins Bücherregal gewandert. Nachdem ich es vorher ganz sorgfältig entstaubt hatte. Da lag es nun. Ziemlich lange, glaube ich, denn als ich vor einigen Tagen ein neues Buch aus dem Regal holte, hat mich das Heft angesehen, und ich wusste erst gar nicht mehr, dass ich es vorher schonmal gesehen hatte. Ich habe es dann, etwas verschämt, auf den Tisch zurück gelegt. Da würde ich es dann sofort sehen, wenn ich endlich die Zeit finden würde.

Und heute ist es dann passiert. Das Heft mit den 48 Seiten Tipps für ein besseres Zeitmanagement ist im Müll gelandet. Ungelesen. Ich hatte ein bisschen Bauchweh dabei. Aber nur ein bisschen. Schließlich habe ich es direkt entsorgt. Und zwar heute. Und nicht erst auf meine To-Do Liste geschrieben, dass ich das Heft entsorgen sollte. Irgendwie scheint es also wohl doch geholfen zu haben.

Volksfeststimmung

Volksfeststimmung

War einmal ein großes Volksfest. Da kamen viele Leute, aus allen Ecken, zusammen. Eigentlich wusste keiner so genau, warum er hinging, aber weil alle gingen, ging man eben auch mit. So war das eben bei Volksfesten. Es gab Karussells für die Kinder, und Buden mit Bier und Limonade, und Bratwurst, mit Senf oder Ketchup. 

Die größte Attraktion aber war eine abgesperrte Wiese. Eine Wiese? Natürlich nicht die Wiese selber- sondern das, was darauf war. Jeder Bauer hatte nämlich ein Schaf zum Volksfest schicken dürfen, und jetzt standen die flauschigen Dinger da rum, und blökten. Ein regelrechtes Blök-Konzert war das. Allein das war schon einen Anblick wert, aber wirklich zur Attraktion machte erst der nebendran stehende Automat die ganze Sache. Das war einer von diesen Automaten, wie man sie auch von der Straße kennt, mit einem Schlitz, um Münzen einzuwerfen, und einem Drehknauf. Und einem Fach, aus dem meist Kaugummi oder Zigaretten kamen. Aus diesem Automaten jedoch kam Futter. Futter für die Schafe. Und das war natürlich was! 

Ihr könnt euch vorstellen, dass man die Futterverteilung reglementieren musste. Sonst wäre das vermutlich ein ziemliches Chaos geworden. Deshalb durfte jeder Besucher nur einmal Futter verteilen. Außerdem war jedes Schaf auch mit einem Schafhirten gekommen. Auch die durften einmal füttern. Aber nicht ihr eigenes Schaf. Man wollte ja den Austausch untereinander fördern. Nicht vergessen, es handelte sich ja um ein Volksfest.

So war das also. Um die Wiese standen alle Besucher, auf der Wiese die Schafe mit ihren Hirten, und es wurde fleißig gefüttert. Trotz der Regeln war natürlich noch einiges in der freien Entscheidung der Fütterer. Und da kommt es natürlich auch schonmal dazu, dass ein Schaf mehr Futter erhält, als ein anderes. Sowas bleibt einfach nicht aus. Ist ja auch irgendwie okay. Manchmal mag man ja den Blick eines Schafes lieber. Oder ein anderes blökt so schön. Die Schafhirten fanden das aber gar nicht schön. Einer wurde sehr böse. Er behauptete, sein Schaf hätte, wenn alles mit rechten Dingen zugegangen wäre, und nur die Hirten gefüttert hätten, am meisten Futter erhalten. Aber durch die Fütterungstechnik der Besucher hätte ein anderes Schaf viel mehr erhalten. Er witterte eine Verschwörung. Vor Jahren habe ein Schaf seines Bauern mal ein Schaf des anderen Bauern gebissen. Angeblich. Das würde ihm jetzt immer noch zum Verhängnis werden. Und das sei nicht fair. Andere Hirten schalteten sich ein, und weil das ganze ja irgendwie auch Teil des Festes war, debattierten auch einige Besucher mit. Nicht unbedingt, weil sie was zu sagen hatten. Aber weil man eben was zu sagen hatte, wenn es um sowas ging. 

Die Bauern aber, deren Schafe es ja schließlich waren, die schwiegen. Die waren gar nicht da. Die waren sogar ganz froh über die wollige Ablenkung. Die Schafe wurden nämlich irgendwann geschoren, und dann wurde die Wolle verteilt. Einige Besucher würden dann vielleicht den ein oder anderen Pullover aus Schafwolle kaufen. Aber ob das Schaf jetzt vorher mehr oder weniger gefüttert wurde, das spielte für die Wollpulloverausbeute dann auch keine große Rolle mehr. Im Übrigen war es ihnen eigentlich auch relativ egal, was die Wolle ihnen brachte. Denn für Sie ging es um ganz andere Sachen. Um den größten Traktor. Oder die meisten Traktoren. Das meiste Land. Den größten Ertrag durch Mais und Weizen. Aber das ist eine andere Geschichte. 

Eigentlich, ja eigentlich, wussten das auch die Besucher des Volksfestes. Und deshalb tranken sie auch noch ein Bier, aßen eine Bratwurst, und gingen dann nach Hause. War ja auch wirklich genug Volksfest gewesen, jetzt. 

Die Milch macht’s!

Die Milch macht’s!

Der Klimawandel schreitet immer weiter voran. Mittlerweile sind immer mehr Bauern von der weltweiten Entwicklung, die unter anderem eine Steigerung der Durchschnittstemperatur und den Anstieg des Meeresspiegels zur Folge hat, betroffen. Aktuellstes Problem: die Milchpreisschmelze. Während die Temperaturen und das Wasser immer höher klettern, nähern diese sich seit geraumer Zeit dem Nullpunkt an. Für die Tourismusbranche stellt der Grund für das Leid der Bauern jedoch vielmehr eine neue Chance dar: „Wenn die Preise schmelzen, können wir in Zukunft in Milch baden,“ gibt der Pressesprecher des Dachverbandes der deutschen Reiseveranstalter zu verlauten. „Das eröffnet ganz neue Perspektiven für unseren Wirtschaftszweig. Die Touristen werden mit Sicherheit davon profitieren.“

Die Agrarindustrie kann über solche Aussagen nur den Kopf schütteln. Angesichts der Haltung diverser Politiker wird sich das Klima der Debatte auch wohl in naher Zukunft nicht ändern. Der Fraktionsvorsitzende der Gelben im Bundestag sprach im Interview mit dieser Zeitung davon, dass man auch die Vorteile des derzeitigen Geschehens in den Blick fassen sollte. „Die Erdbeersaison beginnt gerade. Wir sollten das niedrige Preisniveau nutzen, um traditionelle Werte wieder hochleben zu lassen. In dem Sinne: aber bitte mit Sahne!“

So mehrt sich nun also der Ärger im produzierenden Gewerbe. Der Vorsitzende des deutschen Milchverbandes brachte die Stimmung seiner Verbandsleute auf den Punkt: „Bei dieser hitzigen Debatte wird nicht nur die Milch sauer. Das ist doch alles Käse.“

Jetzt soll ein Milchgipfel die Lösung des Problems bringen. Indem mehrere Lagen Milch auf den Berg aufgebracht werden, soll die Schmelze der darunter liegenden Preise verhindert werden. Eine ähnliche Technik hat bereits bei dem Kampf gegen schmelzende Gletscher Einsatz gefunden: dort werden riesige Silberplanen auf den Schnee aufgebracht und sollen so den Sonneneinfall verringern und damit die Schmelze minimieren. Ob ein Milchgipfel ähnlich gute- oder gar bessere- Ergebnisse in Bezug auf die Preisschmelze erzielen kann, bleibt abzuwarten. 

Ziel-ende

Ziel-ende

Laufen gewesen. Es war fast eine Flucht. Raus, bloß raus. Den Weg kannte ich. Habe mich trotzdem verlaufen. Die Abzweigung sah schöner aus. Vielleicht auch einfach nur anders, anders als das bekannte, gewohnte. Und dann wusste ich doch nicht weiter. Nicht so richtig. Die grobe Richtung, ja. Aber: links? Geradeaus? Egal. Weiter. Den Blick auf die Uhr hatte ich mir da schon verboten. Warum auch? Ich wusste, wo ich hinwollte. Und ich wusste, dass ich ankommen würde. Irgendwie. Irgendwann. Zu wissen, wie lange ich bereits unterwegs war? Was machte das schon? Eine Minute, zehn Minuten, dreißig Minuten. Ein Wimpernschlag in der Zeit. Was zählt, ist der Schritt. Einer. Und noch einer. Irgendwann läuft es sich wie von selbst. Das Ziel zwar nicht vor Augen, aber es schwingt mit. In jedem Schritt schwingt es mit, klingt es mit. Es ist heiß. Wie lange noch? Lange genug. Aber nicht zu lange. Irgendwann gibt es Wasser. Beschwingt der Schritt, beschwingt der Gedanke. Ich laufe.
Nicht auszumalen, wie es sein muss, nicht zu wissen, ob man jemals ankommt. Egal, ob die Kraft noch reichen würde, der Wille da ist, die Strecke klar- nicht zu wissen, ob das Ziel, das anvisierte, das Ende sein wird. Oder bloß der Anfang vom Ende. 

Der April gehört nicht zum Jahr

Der April gehört nicht zum Jahr

Angesichts der Vorkommnisse der letzten vier Wochen habe ich mir folgendes Grundsatzprogramm gegeben.

 

Der April gehört nicht zum Jahr.

In seiner Ausweitung (drei Jahre hintereinander schafft er es bereits, dem März den letzten Tag zu stehlen, und diesem lediglich 28 Tage zu gönnen) und in der Präsenz einer ständig wachsenden Zahl von Aprilgeborenen sehe ich eine große Herausforderung für unsere geregelten Jahreszeiten. Ein launischer April, der unsere Frühlingslaune nicht respektiert oder sogar bekämpft, und einen Anspruch als alleiniger Monat, in dem alle vier Jahreszeiten vertreten sind, erhebt, ist mit unserem Kalender nicht vereinbar. Viele Tage des Aprils kommen jahreszeitengetreu daher und sind akzeptierte Vorboten des Sommers. Ich verlange jedoch zu verhindern, dass sich regnerische Schlechtwetterzonen mit Wolkenbergen bilden und die Sonne dahinter abschotten. Ich will verhindern, dass sich Apriltage bis zum gewaltsamen Jahreszeitenumsturz radikalisieren.

Monatskritik, auch Kritik am April, ist im Rahmen der allgemeinen Small-Talk-Regeln rechtmäßig als Teil des Grundrechts der freien Meinungsäußerung. Wettermäßige Satire und Karikaturen sind ebenfalls von der Meinungs- und Kunstfreiheit geschützt. Ich unterstütze das Bestreben von Aprilkritikern, über den April aufzuklären, Reformen innerhalb der Hoch-Tief-Forschung zu unterstützen und den April an die Temperaturen und Windverhältnisse der klimawandlerischen Moderne anzupassen.

Meteorologen fordern eine historisch-kritische Betrachtung des Aprils und seiner Wetterkapriolen, sowie den Verzicht auf eine Erhebung des Aprils auf eine Sonderstellung als Monat des Osterfestes. Ihnen und ihren Zielen gilt angesichts vielfacher Verfolgung, unter anderem durch Ostereierliebhaber, meine Solidarität.

Ich verlange, frühlingsfeindlichen Wetterauswüchsen das Herannahen wegen der Gefahr zu untersagen, dass die dort verbreite Kaltluft gegen die Gesundheit und unser Wohlbefinden verstößt und zu nasaler Tropfenradikalisierung führt.

In den Berichten der Meteorologen und Wetterforscher wird eine Reihe von Jahren aufgeführt, in denen der April sich offensiv gegen unser Bedürfnis gestellt hat, in lockerer Kleidung wieder Freiheit erleben zu dürfen, weshalb solche Vorkommnisse in Zukunft verboten werden müssen. Die Bandbreite solcher Ereignisse reicht von Gewittern, die unseren Glauben an die Stabilität warmer Strömungen für ihre Ziele ausnutzen, bis zu Hagelschauern, Schneefällen und Wirbelstürmen. Biergartenbesuche und Picknick mit Grillen werden dadurch konkret gefährdet.

Die Finanzierung des Aprils durch die Aufnahme der Osterfeiertage soll unterbunden werden. Die wachsende Einflussnahme dieses Monats in unser geregeltes Festsystem ist aufgrund seiner radikalen Tendenz nicht mit unseren Vorstellungen vereinbar.

Widder und Stier lehne ich als Sternzeichen für den April ebenso ab wie das Singen der Vögel, nach dem es außer der Paarung im Frühjahr keine anderen relevanten Ziele mehr gibt. Widder und Stier, die als Kampfestiere bekannt sind, stehen, wenn sie dem April zugeordnet werden, im Widerspruch zu einem toleranten Nebeneinander von Monaten.

Ich lehne es ab, dem April auch in Zukunft den Status einen Monats in Kalendern und Schülerplanern zu verleihen, weil er die rechtlichen Voraussetzungen nicht erfüllt. Er strebt den Monatsstatus an, um seine Macht zu stärken. Voraussetzung für den Monatsstatus ist eine ausreichende Repräsentanz, die Gewähr der Dauer sowie die Achtung der kalendarischen Jahreszeitenabfolge. Letzteres verlangt die Anerkennung der Zugehörigkeit der anderen Jahreszeiten zu ihren jeweiligen Monaten.

Ich fordere ein allgemeines Verbot der Vollverschleierung der Bäume durch Blüten und Blätter in der Öffentlichkeit. Blüten und Pollen errichten eine Belastung für Heuschnupfengeplagte und erschweren damit das Zusammenleben in der Gesellschaft. Ein Verbot ist daher notwendig und durch die Gentechnik auch praktikabel. Der Integration und Gleichberechtigung von Heuschnupfengeplagten mit anderen Menschen widerspricht der blühende Baum als Zeichen der Unterordnung des Menschen unter die Natur.

 

 

Wer sich meiner Forderung anschließen möchte, kann dies gerne tun. Ich plane die Gründung einer Organisation unter dem Namen: April- formatiere dich! ( kurz: Afd).