In Bergedorf ist die Welt noch in Ordnung. Rundherum stehen hohe Berge, unten im Tal fließt ein Fluss. Bäume, Häuser, und hin und wieder eine Kuh. Eigentlich ist es ganz gemütlich hier.Auf den Bergen, da leben die Riesen. Was machen denn die Riesen auf den Bergen, mag man da fragen. Groß genug sind sie doch allemal. Wozu dann dieser Größenwahn? Ja. Das mag man fragen. Eine zufriedenstellende Antwort wird man aber in den meisten Fällen nicht bekommen. Groß und groß gesellt sich gern, sagt der eine. Der andere zwinkert, und flüstert hinter vorgehaltener Hand: Das ist natürlich Blödsinn. Groß und Groß steht gar nicht gerne nebeneinander. Deswegen stehen wir ja auf den Bergen. Jeder auf einem. Jeder für sich. Und warum dann ausgerechnet auf den Bergen? Wachstum, Schätzchen. Die Götter haben auch auf dem Olymp gelebt. 

Nun. Götter gibt es hier keine. Aber Herrlichkeit findet man trotzdem allenthalben. 

Werfen wir einen Blick ins Tal. Da unten leben die Zwerge. Sie leben, und arbeiten, und sie tun das, was man halt so tut. Manchmal ist es ganz spannend, da unten. Meistens aber gehen die Dinge einfach nur ihren Gang. 

Aber wehe, wenn die Riesen etwas entdecken! Dann ist aber was los!

Was es auch ist- da muss man jetzt wirklich mal was machen!

Warum hat sich denn keiner vorher mal gemeldet? Verantwortungslos. Also, wenn die Riesen nicht wären.

Gefahr! Gefahr! So schreit es jetzt auf jeden Fall von den Bergen. Die Zwerge im Tal schütteln nur ihre Köpfe. Was sollen sie auch anderes tun? Sie verstehen kein Wort von dem, was da ins Tal schallt, und wenn sie es sich so recht überlegen, kann es dann ja auch nicht so wichtig sein, wenn die Riesen bloß schreien, und nichts anderes tun. Also erstmal abwarten. 

Die Riesen aber, sie schreien. Jeder für sich. Wenn auch keiner antwortet- das Echo tut es. Hauptsache die eigene Stimme schallt durch das Tal. 

Und so schallt von Berg zu Berg ein Ton und noch ein Ton. Das Ganze ist eher dissonant. Aber es geht ja auch nicht um Harmonie. Da darf es schon mal schief klingen. 

Wäre auch alles gar nicht so schlimm. Wenn sich nicht irgendwann ob des Getöses ein Stein lösen würde. Und noch einer. Ein paar kullern schon den Berg herunter. Sie lösen einige weitere Steine. Bald sind es nicht bloß Steine, die ersten Felsbrocken mischen sich darunter. Und ehe man sich versieht, rollt eine Lawine aus Schutt und Stein den Berg hinab. Die Riesen jedoch, die merken nichts davon. Wie denn auch? Sie sind ja mit Schreien beschäftigt. Hören tun sie noch immer nichts, aber ihr Geschrei, das ist formvollendet. Geradezu majestätisch klingt es.

Majestätisch ist auch die Lawine, die donnernd ins Tal rollt. Sie zermalmt Häuser, und stürmt in den Fluss, dass die Wogen nur so schäumen. Wohin, wohin? Die Zwerge fliehen. Sie wissen gar nicht, wie ihnen geschieht. Eben war doch noch alles ruhig. Und jetzt? Sie rennen und rennen, und über sich hören Sie das Geschrei der Riesen. Natürlich ebenfalls, ohne irgendein Wort zu verstehen. Kann ja auch keiner. Also rennen sie, und irgendwann wird es leiser. Das Geschrei ebbt ab, und auch die Steinflut legt sich.

Nachdem Ruhe eingekehrt ist, und der Staub sich gelegt hat, ist endlich wieder Zeit, die Stimme zu schonen und sich mal ein wenig umzusehen. Warum nochmal haben wir so geschrien? Ach. Genau. Gefahr. Da war doch was. Erstmal nachsehen, was da eigentlich los war. Siehst du was? Ne. Du? Ich weiß nicht. Dahinten hat’s eine Mücke erwischt. Ach, echt? Eine Mücke? Na, da haben wir aber nochmal Glück gehabt. Es hätte ja auch wirklich ein Elefant sein können! 

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