FührerSCHEINpolitik

Bitte versteht mich nicht falsch. Ich habe nicht so ein grauenhaftes Bild von unserer Gesellschaft. Ganz im Gegenteil. Ich habe ein sehr gutes. Ich bin Optimist. Mein Glas ist nicht nur halb voll, es hat auch noch eine Zitrone am Rand. Und einen Strohhalm. Aber manchmal höre ich Sachen, die meine Zitrone bitter werden lassen, und meinem Strohhalm den Hals umdrehen. Und dann kommen dabei solche Texte heraus, wie dieser. 



Man stelle sich das mal vor: ab morgen wird der Führerschein abgeschafft. Keine Prüfung mehr, weder theoretisch noch praktisch. Keine Fahrschüler mehr, die vor lauter Nervosität mit schwitzenden Händen vom Lenkrad abrutschen, oder Massen von Baldrian einwerfen, um besagtes Nervenbündel zu bekämpfen- nur um dann so beruhigt zu sein, dass sie mit 20km/h den Berg hochkriechen. Keine Fahrschulen mehr, keine ewig langen Theoriestunden, in denen man Herzen und Tic Tac Toe auf Fragebögen kritzelt, oder in Gedanken mit der netten Blondine von nebenan am Baggersee liegt. 

Keine Omas mehr, die den Führerschein bezahlen „für den lieben Enkel“, oder aber Fahrschüler, die nebenbei den örtlichen Supermarkt revolutionieren, um das Geld zusammen zu kratzen, oder Zeitungen im wahrsten Sinne des Wortes auswerfen. 

Aber vor allem: keine Beschränkungen mehr! Endlich kann jeder fahren, der fahren will. Wann er will. Wohin er will. Gerade kein Geld für den Führerschein? Egal. Ein Auto leihen- und ab geht’s in die Freiheit. Mit 16 durch die Staaten fahren? Kein Problem. Nie wieder „Ihren Führerschein bitte“, gepaart mit dem leicht überheblichen Blick, der sich so oft dazu gesellt. Geschwindigkeitsbegrenzungen? Naja. Mag es ja geben. Aber meinen Führerschein kann mir ja keiner wegnehmen, ich hab ja gar keinen. Ha! Kein Idiotentest- Verzeihung: keine medizinisch-psychologische Untersuchung- mehr, denn ab heute ist es egal, wie zittrig jemand ist, und ob man das Lenkrad überhaupt halten kann. Es spielt auch keine Rolle mehr, wie abgedreht jemand ist, oder wie akut selbstmordgefährdet. Jemand hat einen Hang dazu, mit großen Autos mit 100 Sachen durch die Fußgängerzone zu brettern? Kein Problem. Solange keine rechtskräftige Verurteilung wegen Gefährdung des Straßenverkehrs- oder gleich wegen Totschlags- vorliegt, kann man ja machen, wozu man lustig ist. Freie Fahrt für freie Bürger. 

Langsam klingt das gar nicht mehr so spaßig wie noch zu Anfang? Mittlerweile ist es vielleicht doch eher so, dass die „null-Regeln-null-Probleme“-Variante eher wie „null-Sicherheit“ klingt? Oder wie „totaler Wahnsinn“? 

Stimmt. Geht mir genauso. 
Aber es gibt eine solche Variante. Nicht im Autoverkehr. Keine Bange. Noch leben wir in einem zivilisierten Land. Nein. Es gibt diese Variante in einem ganz anderen Lebensfeld. Aber die Folgen könnten verheerender nicht sein. Es geht um das Kinderkriegen. 

In diesem Land kann jeder Kinder in die Welt setzen. Jeder. Wer ein Kind adoptieren will, wird auf Herz und Nieren geprüft; und oftmals wird sehr liebevollen, insbesondere homosexuellen Paaren, die Adoption verweigert. Ein Kind aber zu zeugen: das kontrolliert niemand. Das kann jeder. Ungeachtet der Beweggründe, und der eigenen Einstellung zu dem kleinen Wesen, das dann auf die Welt kommt, das größer wird, das Probleme hat und Probleme macht, ungeachtet all der Hintergedanken, kann hier jeder einem Kind das Licht der Welt schenken. 
Versteht mich nicht falsch. Ich will niemandem verbieten, Kinder zu kriegen. Ich will keinen „Elternführerschein“. Ich will auch keine totale Staatsüberwachung, keine Verwaltungsbeamten, die in die Häuser gehen, und Eltern kontrollieren, wie sie mit ihren Kindern umgehen. Aber: Es gibt Menschen, die setzen Kinder in die Welt, als würden sie sich ein Auto kaufen- es gehört zum Selbstbild eben dazu. Es macht zwar etwas Arbeit, aber irgendwie ist es ja auch ganz praktisch. Das Auto muss fahren. Das Kind muss laufen. Das Auto muss glänzen. Wehe, das Kind tut dies nicht. Ein Auto kann man in die Werkstatt geben. Man kann es neu lackieren, wenn es verkratzt ist, oder die Stoßstange austauschen, wenn es zu oft gegen etwas geprallt ist. Und wenn es wirklich übel ausgegangen ist, und die Reparatur teurer wäre als ein neues Auto, dann spricht man von einem Totalschaden, dann wird das Auto zum Schrottplatz gebracht, und man kauft sich ein neues, einfach so. Und vergisst das alte. 

Mit Kindern geht das nicht. Auch Kinder verkratzen. Zuhause, oder im sozialen Umfeld. Aber ein neuer Lack hilft nicht, wenn die Seele blutet. Auch Kinder können ein paar mal zu oft gegen eine Wand gelaufen sein. Aber dann kann man nicht einfach eine Stoßstange austauschen und alles andere vergessen. Und Kinder haben vieles, aber ganz sicher keinen Totalschaden. 

Ich wünsche mir nur, dass einige Menschen verantwortungsvoller mit ihrer Rolle als Eltern umgehen. Ansonsten werden wir noch mehr Kinder auf unseren Straßen finden, die von ihren Eltern überfahren wurden. 

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