Vielleicht ruft mir jetzt gleich jemand zu „Man du lebst aber hinterm Mond! Das gibt es doch schon ewig!“ In diesem Fall werde ich kontern müssen. „Ja, angesichts meines Alters bin ich wohl ein neue-Medien-Dinosaurier. Aber ich habe die Absicht, mich nicht von einem Meteoritenhagel vernichten zu lassen. Auch nicht in Wortform. Bis dahin erfreue ich mich an all dem Sachen, die mir neu über den Weg laufen und mich so erheitern und erfreuen, und vor allem inspirieren, als wenn sie tatsächlich neu wären. Was also ist es jetzt? 

Hört hört! Man kann jetzt Kleidung leihen. Nein, nicht von der großen Schwester, oder der besten Freundin, sondern online, von unbekannt. Seiten wie „kleiderei“ und „pretalouer“ (soll heißen Prêt-a-louer, sprich: Prät a lujee, weil französisch und so.) bieten eine Kleiderschrankvergrößerung für all diejenigen an, die mal wieder vor den geöffneten Türen stehen und sich denken: „Der Schrank ist voll und ich hab trotzdem nichts zum anziehen.“ (Ich wage hiermit die Vermutung, dass somit überwiegend weibliche Wesen angesichts dieser Seiten vor Glück schreien (wo hab ich das noch gehört?), aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen)
Zurück zum Thema. Der Gedanke hinter diesen Seiten erschließt sich mir zwar, aber: Ob das tatsächlich dazu führt, dass die Kunden angesichts der größeren Auswahl an möglichen Optionen zufriedener sind, oder ob die Shoppen-ohne-große-Reue-Möglichkeit nur als Zeitvertreib dient, vermag ich nicht zu beurteilen. Fakt ist: Das Leihsystem zieht damit weitere Kreise als eh schon. Sehr weite Kreise. Neben Filmen und Autos- den gängigsten Dingen, bieten Internetplattformen unter anderem Zelte, Spiele, Beamer, Kunst… Selbst Gärten lassen sich leihen, Verzeihung: mieten. Besserwissermodus an. „Juristisch ist dies der richtige Begriff für entgeltliche Leihen.“
Unabhängig davon, ob diese Geschäftsidee ökologisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich sinnvoll ist- ich frage mich, ob mit diesem Angebot das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Und behaupte mit fester Überzeugung: nein. Nur- Wohin geht das Ganze noch? 

Haustiere, kam mir da in den Kopf. Und habe danach mal spontan gesucht. leihdirwas.de biete mir Teichschlammstaubsauger als Haustiere an. Teichschlammstaub… Was? Sind das Fische? Oder Krötenartige? Oh. Nein. Es sind tatsächlich Staubsauger. Nun, sie bieten auf jeden Fall passendes Zubehör. 

Also weiter suchen. Und ja, ich werde fündig. Und als hätte ich es geahnt- natürlich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In Los Angeles bietet Flexpetz all jenen, die keine Hunde in ihrer Wohnung halten dürfen, gegen eine Leihgebühr die zeitweise Freundschaft eines haarigen Begleiters. Wenn man sich also schon keine Freunde kaufen kann- zumindest den besten Freund des Menschen kann man sich hier leihen. 

Stichwort Menschen… Menschen! Das wäre doch mal eine Nachricht wert. Menschenleihservice. Professionell. Unbürokratisch. Zuverlässig. Wird auch höchsten Ansprüchen gerecht. Rund um die Uhr verfügbar. 

Ich hatte mal wieder nicht mit den Abgründen der menschlichen Psyche gerechnet. Natürlich gibt es genau dieses Angebot schon. Und nicht erst seit kurzem. Je nach Zielrichtung und gewünschter Performance muss differenziert werden, aber: Auf der Suche nach Optik, Körper und Begleitung bieten Escortservices oder Bordelle genügend Auswahl. 
Nach dieser Recherche ist mir damit mal wieder vor Augen geführt worden: es gibt offenbar nichts, was es nicht gibt, und für alles was gefragt wird, auch einen Markt. 

Einzig eines bleibt offen: wieso vermietet niemand die Sachen, bei denen wirklich Mangel herrscht? Ich habe mir da was überlegt, und mache jetzt mal einen gewagten Vorschlag. Ein Mietservice für Hirn und Herz. Diese Idee möchte ich gerne zum Patent anmelden. Ich bin mir sicher, der Bedarf ist da. 

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9 Gedanken zu “Mietservice- eine ernstgemeinte Satire 

  1. Man kann z.B. auch Enten als Schneckenvertilger leihen. Ich könnte mir, falls ich mal einen Garten habe, gut ein Leihschaf vorstellen, dass alle paar Wochen zum Wiesestutzen vorbeikommt. Hirn und Herz möchte ich aber lieber dauerhaft haben. Und am liebsten wäre mir das auch bei meinen Mitmenschen

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  2. Hallo @wortwerkzeug!
    Ich habe deinen Blog durch @schnipseltippse gefunden.
    Gefällt mir gut, dein Blog. Hast du auch ein „About“ irgendwo, damit ich etwas über dich erfahren kann?
    Ich werde deinen Blog im Auge behalten. Vllt verrätst du ja mal etwas mehr über dich… ?
    Liebe Grüße von Katrin – musikhai

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    1. Hallo Katrin! Wollte dir eigentlich eine Nachricht schreiben, aber das geht hier offenbar nicht..? Ein About gibt es (noch) nicht- ich bin a) plötzlich mundtot bin, wenn ich über mich reden soll und b) noch gar nicht weiß, wo ich sowas schreiben sollte..? Ich bin hier so reingestolpert und wurschtel mich jetzt hier so durch. Allein das sagt vermutlich schon viel über mich aus. 😉 wenn du mir da weiterhelfen kannst, nehme ich die Hilfe gerne an!

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      1. Ich versuche es mal: gehe zu deinem Dashboard dann zu Design dann zu Widgets dann kannst du auswählen, welche Widgets in deiner Seitenleiste erscheinen sollen. Ich habe hier mit meinem about.me Profil verbunden. Wernn du kein about.me hast, könntest du dir eines anlegen. Oder du erstellst eine Seite (In der kostenlosen WP-Blog-Version kannst du eine einzige Seite erstellen). Die könntest du About nennen und alles reinschreiben, was deine Leser wissen dürfen.
        Ich hoffe, das hilft ein wenig weiter.
        Liebe Grüße
        Katrin

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      2. Du könntest schreiben, wer du bist, wie alt, was du machst, wozu dein Blog da ist, was dich interessiert…

        Zum Beispiel 😀

        Wenn du nicht viel von dir preisgeben möchtest, kannst du es ja so halten, dass du einen fremden Namen wählst. Auch das Alter kann man so ca. angeben.

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