Dankbarkeit

Dankbarkeit. Was heißt das schon? Ich bin dankbar. Heißt das, ich bedanke mich bei jemandem? Bei wem? Bei einem anderen Menschen? Bei mir? Und wenn ich mich bei niemandem bedanken kann, liegt es dann daran, dass niemand verantwortlich ist für das, was mir so dankenswert erscheint? Gibt es das denn überhaupt- eine Reaktion ohne eine Aktion, ein Ereignis ohne eine Ursache, eine Folge ohne einen Anstoß und eine Handlung ohne einen Grund? 
Und was ist, wenn es jemanden- oder auch etwas- gibt, dem ich danken kann- bin ich dann verpflichtet, etwas zurückzugeben? Reicht die Dankbarkeit, oder muss da mehr sein? Muss ich sie aussprechen, oder kann ich sie einfach nur fühlen? 
Bin ich dann anderen etwas schuldig? Fühle ich mich dann schuldig? Schuldig, weil ich nicht fähig bin, etwas zurückzugeben? Weil ich nicht weiß, was ich zurück geben soll? Schuld klingt nach Schmerz, nach Leid, nach verlieren. Habe ich etwas gewonnen, für das ich dankbar sein kann, und bedeutet das, dass jemand anderes deshalb etwas verloren haben muss? Ist Dankbarkeit etwa nur ein anderer Ausdruck für das Gefühl des Siegers- und sind Verlierer dann immer undankbar? Heißt das, dass man Verlierern nicht danken kann, oder dass Verlierer niemandem danken? Haben Verlierer nie etwas gewonnen? Oder ist es nicht vielmehr so, dass Verlierer gerade deshalb etwas gewonnen haben, weil sie verloren haben? Wer kann sich Verlierer nennen, wenn er Erfahrungen gewonnen hat? 
Ich habe viel für all diese Erfahrungen gegeben. Und ich bin dankbar für alles, was sie mir gegeben haben. 

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